VEREIN GEDENKSTÄTTE KZ ENGERHAFE E.V.

 

 
  
     Neugestaltete Begräbnisstätte

Die KZ-Gedenkstätte Engerhafe
Neugestaltung der Begräbnisstätte

(Text: Gerd Lücken, Herbert Müller; Fotos: Folkert Bents)


Im Herbst 2016 wurde die Begräbnisstätte der Opfer des KZ Engerhafe umgestaltet. Nach vierjähriger Planung und umfangreichen Arbeiten wurde die Grabanlage anlässlich der Gedenkveranstaltung im Oktober neu geweiht. Wie sich die Begräbnisstätte seit Aufhebung des Lagers im Jahr 1944 bis heute entwickelt hat, stellten Gerd Lücken und Herbert Müller bei einem Vortrag anlässlich der Gedenkveranstaltung dar.


1944/1945

In den Monaten November und Dezember 1944 entstand auf der erweiterten Friedhofsfläche ein Massengrab. Die Leichen der Opfer, deren Namen man auf einfachen Zetteln festhielt, wurden in Gruben begraben.

In Gruben für die auf den Totenzetteln aufgeschriebenen Opfern wurden die Leichen begraben. Als das Lager aufgehoben wurde blieb eine Fläche Ödland, irgendwo darunter 188 Männer, die meisten gerade mal von 40cm Erde bedeckt, 188 Tote, die nicht nur physisch, sondern in jeder Erinnerung ausgelöscht sein sollten.


1945/1954

Kurz nach Kriegsende stellte die VVN, die "Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes", auf dem Friedhof der Kirchengemeinde Engerhafe einen Gedenkstein auf. Dieser flache Gedenkstein an der Nordseite des Grabfeldes erhielt damals die Aufschrift: "Hier ruhen Opfer des Faschismus". Man traute den Angaben auf den Totenzetteln nicht, auf denen 188 Namen vermerkt waren, darum fügte man drei Fragezeichen ein. Bis in die Mitte der 50er Jahre wurden regelmäßige Gedenkveranstaltungen mit Beteiligung der Kirchengemeinde und dem VVN abgehalten.


Gedenkstein auf dem Friedhof in Engerhafe



1952

1952 wurden die Leichen im Auftrag des französischen Suchdienstes exhumiert und nach Möglichkeit identifiziert. Auf dem Gedenkstein des VVN wurden die Fragezeichen entfernt, weil jetzt die Anzahl der Verstorbenen durch die Exhumierungen bestätigt wurde. Die Leichen wurden nach Plan wieder bestattet. Dazu wurden drei Grabfelder angelegt, die dann von einer Buchsbaumhecke umschlossen waren. Von den 188 Opfern des KZ's und einem im Mai 1945 verstorbenen belgischen Zwangsarbeiter wurden 52 in ihre Heimat oder auf Ehrenfriedhöfe in Deutschland überführt. Von den verblieben 137 Leichen, ist von 81 die Identität geklärt, 56 konnten nicht identifiziert werden. Am 21.8.1952 steht im Protokollbuch des Kirchenvorstands, dass der Friedhof wieder in den alten Zustand versetzt wurde. Die Kommission des französischen Suchdienstes hinterließ genaue Pläne, wo welches Opfer beerdigt ist, so konnten in der Folgezeit die Umbettungen stattfinden. Es fehlte aber ein Hinweis, dass es sich um eine Anlage mit Einzelgräbern von KZ-Opfern handelte, nur drei Beete bargen die Gräber und kennzeichneten ihren Ort.


Archivfoto Gedenkstätte


1965

Um das Jahr 1965 wurde die Bepflanzung der Grabanlage verändert. Die Buchsbaumumrandung von zwei Grabfeldern wurde entfernt und an dessen Stelle ein Feld in Form eines schräggestellten Kreuzes und zwei weitere geometrische Elemente aus Buchsbaum gepflanzt. Seit dieser Zeit war nicht mehr sichtbar, wo sich Gräber befanden, dass es überhaupt Gräber gab.




1981 - 1990
Der Heimatforscher Martin Wilken trug 1981 Fakten zum KZ zusammen und veröffentlichte sie. Seit 1983 findet am Gräberfeld eine Veranstaltung zum Antikriegstag statt, organisiert vom DGB. In den Jahren 1986 bis 1988 befassten sich Schüler des Auricher Gymnasiums Ulricianums im Rahmen von mehreren Projekten mit dem ostfriesischen Konzentrationslager und entwarfen, angeleitet von ihren Lehrern Herbert Müller und Anjos dos Neves, Gedenksteine. Die Schüler stellten die Ergebnisse bei der Gemeinde Südbrookmerland vor, im ersten Schritt wurde deutlich gemacht, dass kein Interesse bestand. Später folgten Gespräche zwischen der Gemeinde Südbrookmerland und der Kirchengemeinde Engerhafe, mit dem Ziel der Planung eines Mahnmals, mittels der Unterlagen der Schüler. Dieses Gedenk- und Mahnmal wurde am 31.August 1990 der Öffentlichkeit vorgestellt.



Mit dem dreiteiligen Mahnmal gibt es zum ersten Mal in Engerhafe einen Informationstext über das Lager und vor allem werden die Opfer mit ihrem Namen genannt. Mit den Namen gaben die Schüler den Opfern erste Individualität zurück.



2012 - 2016

Mitglieder des Vereins Gedenkstätte KZ Engerhafe begannen mit Überlegungen, die einzelnen Grabstellen mit den Namen der Toten zu versehen. Alle Beteiligten vom Gedenkstättenverein, der Kirchengemeinde Engerhafe und der Gemeinde Südbrookmerland arbeiteten eng zusammen für dieses große Projekt. Dem Verein war wichtig, für alle Opfer einen Grabstein aufzustellen, auch für die umgebetteten Toten, für sie sind es Gedenksteine. In der Gesamtanlage der Steine wird so noch einmal die große Zahl der in der kurzen Zeit zu Tode gekommenen verdeutlicht Die gemeinsame Umsetzung, basierend auf einem breiten gesellschaftlichen Konsens von Kirchengemeinde, die politischer Gemeinde Südbrookmerland und dem Verein führte schließlich zur Neugestaltung der Grabanlage. Ende August begann mit der Umgestaltung der Grabanlage. Zunächst wurde Lage der Einzelgräber nach Aufzeichnungen des französischen Suchdienstes von Auszubildenden des Landesamtes für Geoinformation und Landesvermessung Niedersachsen exakt ermittelt und markiert.

 

Anschließend wurde der alte Bewuchs und die Buchsbaumhecke zum Friedhof entfernt.

 

Die drei Gräberfelder und ein Weg wurden neu angelegt. Drei große Gedenksteine, die im nachstehenden Bild rechts zu sehen sind wurden an ihren ursprünglichen Platz versetzt. Bei der Umgestaltung 1965 hatte man sie auf das östlichste Gräberfeld gesetzt und seither standen sie auf einem Teil der Gräber.

 

188 Steine mit den Namen der Opfer wurden auf Anlage nach genauen Lageplänen auf den Gräbern von einem Steinmetz neu gesetzt.

 

Den Abschluss der Umgestaltung bildet eine neue Bepflanzung. Sie besteht aus Einfassungen aus bodendeckenden Grünpflanzen und Rosen. Vor dem dreiteiligen Mahnmal wurden zudem 3 weiße Rosen gepflanzt. Sie tragen den Namen "Eirene-Friedenslicht" und erinnern an alle Opfer des Nationalsozialismus. Rosen dieser Sorte sind an vielen Gedenkorten, so unter anderem in Ladelund gepflanzt worden.

 

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Verein Gedenkstätte KZ-Engerhafe e.V. - Kirchwyk 5 - 26624 Engerhafe