VEREIN GEDENKSTÄTTE KZ ENGERHAFE E.V.

 

 
  
     Das historische Pfarrhaus

Gedenkfeier der Stichting Oktober 1944 am 2.10.2010, Ansprache von Carl Osterwald, 1. Vorsitzender des Vereins Gedenkstätte KZ Engerhafe

Ich möchte mich – auch im Namen meines Vereins – bei Ihnen sehr herzlich für die Einladung zu der heutigen Gedenkveranstaltung bedanken. Dies ist für mich ein sehr bewegender Augenblick und ich betrachte die Einladung an uns aus Engerhafe als etwas ganz Besonderes. Puttener Bürgern ist auch bei uns in Engerhafe und Aurich entsetzliches Unrecht zugefügt worden.

Und erst jetzt haben wir einen Verein gegründet, um eine Gedenkstätte aufzubauen in der wir das Unrecht, die brutale Gewalt bis hin zum Mord öffentlich als Schuld bekennen. Ich habe die Qual der Männer in Engerhafe und Aurich im Blick und das Leid der Familien in Putten. Und nun stehe ich hier, nicht nur als Mitmensch, sondern auch als Deutscher und als alter Mann. Als solcher bin ich nicht nur tief bewegt; ich schäme mich.

Wir deutschen Männer waren es, die Mord und Brand in Ihr Land getragen haben. Unsere Autoritäten hatten uns gesagt: Niederländer sind unsere Feinde und wir haben Sie und uns selber nicht als Menschen und Mitmenschen gesehen, sondern als Deutsche und Niederländer, als Feinde, die man unterwerfen muss und gegen die man sich wehren muss und die man töten darf. Diese Haltung endete in einem Chaos von Brutalität und Gewalt.

Ich war 1944 17 Jahre alt und habe im Osten als Soldat genauso Unrecht getan, wie deutsche Soldaten in ganz Europa. Man kann dies nicht entschuldigen, noch weniger kann man es wieder gut machen, und darüber schweigen geht auch nicht. Wo sollen wir hin?

Ich bin in ein uraltes Gebet geflüchtet und habe mit dem Psalm 39 gefragt: "Herr, was kann mich trösten?" Der Psalm hilft mir mit dem nächsten Satz auf den Weg: "Ich hoffe auf dich." Ich bin zu alt und habe zu viel erlebt, um auf einen Menschen oder eine menschliche Institution zu hoffen. Der Psalm sagt sehr klar: "Wie gar nichts sind alle Menschen, die doch so sicher leben. Sie gehen daher wie ein Schatten und machen sich viel vergebliche Unruhe." Auf Menschen kann man seine Hoffnung nicht setzen.

Aber wenn wir frei sein wollen und offen und ehrlich und gut zueinander sein, dann können wir nicht ohne Hoffnung leben. Paulus sagt im Römerbrief von der Hoffnung (Röm. 5. 5) "Hoffnung lässt nicht zuschanden werden, denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen durch den heiligen Geist, der uns gegeben ist." Wenn wir in Gottes Wort und ins Gebet flüchten, dann finden wir dort nicht nur Ruhe und Geborgenheit, dann werden wir dort auch wieder neu auf den Weg gestellt, denn wir kommen nicht leer zurück, sondern uns ist ein neuer Geist gegeben; gegeben ist er uns, er kommt nicht aus eigener Kraft, sondern ist ein Geschenk.

Es ist ein wunderbares Bild, dass die Liebe Gottes "ausgegossen ist in unsere Herzen". Das klingt nach Überfluss. Diese Liebe Gottes ist überfließend und treibt uns auf den Weg zueinander, auf dem wir uns dann nicht mehr als Feinde treffen sondern versöhnt als Kinder in einem neuen, im heiligen Geist.

Ganz von allein wächst daraus Dank. Und Gott danken geht wohl am besten so, dass wir Licht werden für die Welt.

Ich danke Ihnen, dass Sie mir zugehört haben!

Die Ansprache wurde vom 1. Vorsitzenden, Carl Osterwald am 2. Oktober 2010 in Putten im Anschluss an das Gedenken und eine Kranzniederlegung am dortigen Mahnmal, im Saal des "Aker" gehalten, anlässlich eines ersten Besuches einer Abordnung unseres Vereins. - Am 2. Oktober 1944 wurden 661 Männer des niederländischen Dorfes Putten als Vergeltungsmaßnahme für den Anschlag einer Widerstandsgruppe auf ein Fahrzeug der deutschen Wehrmacht verschleppt. 602 dieser Männer wurden ins KZ Neuengamme abgeführt. 545 sind in deutschen Konzentrationslagern umgekommen. 12 davon in Engerhafe.

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Verein Gedenkstätte KZ-Engerhafe e.V. - Kirchwyk 5 - 26624 Engerhafe