VEREIN GEDENKSTÄTTE KZ ENGERHAFE E.V.

 

 
  
     Das historische Pfarrhaus

Auschwitz-Gedenkveranstaltung am 26.1.2014 in Aurich

- die Vernichtung lebens(un)werten Lebens im Nationalsozialismus -

An die Befreiung des Konzentrationslagers in Auschwitz wurde am 26.1.2014 zum dritten Mal von sieben Vereinen, Schulen und Institutionen in Aurich in einer gemeinsamen Feier gedacht.

In diesem Jahr hatte das Gymnasium Ulricianum Aurich die Durchführung der Gedenkveranstaltung übernommen.

Die Befreiung des Konzentrationslagers in Auschwitz am 27. Januar 1945 hat der ganzen Welt die Brutalität und Unmenschlichkeit des Nationalsozialismus vor Augen geführt.

Diese Brutalität und Unmenschlichkeit war auch in Ostfriesland zu sehen:

• Sie war zu sehen bei der Vertreibung der jüdischen Mitbürger, an die durch die sogenannten Stolpersteine vor den Häusern der ehemaligen jüdischen Bewohner erinnert wird.

• Sie war zu sehen im Arbeitslager in Brockzetel, an das der niederländische Gedenkverein "Stichting Kamp Schwarzer Weg Wilhelmshaven" zusammen mit dem Europahaus jährlich in einer Gedenkfeier erinnert.

• Sie war zu sehen auf dem Friedhof für die russischen Kriegsgefangenen in Tannenhausen, um den sich jetzt Herr Alwin de Buhr mit einer Projektgruppe der Hauptschule Aurich kümmert.

• Sie war zu sehen im KZ in Engerhafe mit dem Massengrab auf dem Friedhof, wo in Zukunft eine bleibende Gedenkstätte entstehen soll.

• Und sie war zu sehen beim Panzergrabenbau um Aurich, für den ein Mahnmal in Vorbereitung ist.

Die diesjährige Gedenkveranstaltung hatte als inhaltlichen Schwerpunkt die

Euthanasie im Nationalsozialistischen Deutschland.

Ausgangspunkt für das Thema war das Schicksal von Anna Poppen aus Moorhusen. Sie wurde im Alter von fast 18 Jahren psychisch krank und wurde am 6. März 1941 in das Krankenhaus Aurich eingewiesen.

Die Diagnose lautete – und würde auch heute lauten – Schizophrenie.

Am 12. März 1941 ist sie, körperlich gesund, in die Landes - Heil - und Pflegeanstalt Osnabrück eingeliefert worden, dort starb sie wenige Wochen nach ihrer Einlieferung an Unterernährung. Ihre Krankengeschichte erläuterte der 2. Vorsitzende des Vereins Ulrich Kohlhoff, Arzt und Psychotherapeut in Marienhafe.

Bereits kurz nach der Machtübernahme hatte die Nationalsozialisten im Juli 1933 das Reichsgesetz zur "Verhütung erbkranken Nachwuchses" erlassen.

Schizophrenie ist eine der Erkrankungen, die unter das am 14. Juli 1933 erlassene Gesetz fiel. Das Gesetz und die Erkrankungen oder Behinderungen, auf die es angewendet wurde, sind auf der Einladungskarte für die Gedenkfeier zu sehen. Ursächlich für den Tod von Anna Poppen war mit hoher Wahrscheinlichkeit ihre Behandlung in Osnabrück auf der Grundlage des Reichsgesetzes von 1933, in dem man sie offensichtlich verhungern ließ.


Frau Hilke Osterwald, Pastorin für die Bewohner und Mitarbeiter der evangelischen Stiftung Alsterdorf in Hamburg, einer Einrichtung für Menschen mit Behinderungen, führte im zweiten Teil der Veranstaltung ein Gespräch mit dem 89-jährigen Jan Poppen, dem jüngeren Bruder von Anna Poppen. Poppen schilderte in bewegenden Worten die Ereignisse der damaligen Zeit und seine Bemühungen nach dem Krieg Klarheit über das Schicksal seiner Schwester zu erhalten.

Über die Euthanasie im Nationalsozialismus referierte anschließend Professor Klaus Dörner. Der renommierte Mediziner und Psychiater beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der Rolle von Ärzten und Psychiatern im Nationalsozialismus. Er berichtet über die menschenverachtende Ideologie der Nazis, die psychisch Kranke, aber auch blinde und taube Menschen vergasten und verhungern ließen.

Schüler des elften Jahrgangs des Gymnasium Ulricianum Aurich zeigten zum Schluss eine erschütternde und ergreifende audiovisuelle Interpretation eines Gedichtes von Hans-Magnus Enzensberger mit dem Titel "sei wachsam" ins "Lesebuch für die Oberstufe" mit dem markanten Satz "Sei wachsam, denn es wird der Tag kommen, wo sie wiederkommen."

Mit dem Vortragen des Artikels Eins des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland endete diese tief berührende Gedenkveranstaltung.

Den Auftakt der Gedenkfeier gestaltete die Gruppe "Laway" .

Beteiligt an der Gedenkveranstaltung waren auch in diesem Jahr wieder das Gymnasium Ulricianum Aurich, die Projektgruppe Kriegsgräberstätte der Hauptschule Aurich, der Heimatverein Aurich, die Stichting Kamp Schwarzer Weg Wilhelmshaven, das Europahaus , die Ökumene in Aurich, die Deutsch-Israelische Gesellschaft Ostfriesland und der Verein Gedenkstätte KZ Engerhafe.

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