VEREIN GEDENKSTÄTTE KZ ENGERHAFE E.V.

 

 
  
     Das historische Pfarrhaus

Auf Spurensuche in Engerhafe -- Juni 2012

Seit einiger Zeit bemüht sich Imke Müller-Hellmann aus Bremen Angehörige von im KZ Engerhafe verstorbenen Insassen ausfindig zu machen. Ihr Ziel ist, die Lebensgeschichten von Opfern zu recherchieren und aufzuschreiben. Sie vermittelt den Angehörigen einen Kontakt zum Verein Gedenkstätte KZ Engerhafe und ermöglicht ihnen so einen Besuch in Ostfriesland. Vor kurzem war sie mit der Französin Monica Coste zu Besuch in Engerhafe, deren Vater hier verstarb. Die Presse hat darüber berichtet.

Nun ist es ihr gelungen, Kontakt zu Nachkommen des einzigen Dänen herzustellen, der in Engerhafe umgekommen ist. Sein Name war Henry Eppler Sörensen. Der Doppelname Eppler Sörensen fand sich im Telefonbuch. Imke Müller-Hellmann schrieb alle dieses Namens an. Ein Brief gelangte zu Erik Eppler Sörensen, einem noch lebenden Sohn des KZ-Opfers. Der leitete ihn an seinen jüngeren Halbbruder Hans Sörensen weiter, der südlich von Aarhus in Horsens lebt. Nun begann ein lebhafter E-mail-Austausch zwischen Deutschland und Dänemark. Bei einem Besuch von Imke Müller-Hellmann in Horsens wurde ein Gegenbesuch in Bremen und Ostfriesland vereinbart.

Am 9. Juli war Hans Sörensen nun hier, um persönlich zu sehen, wo der erste Mann seiner Mutter gestorben ist und wie die Umstände seines Todes waren. Bei einer Teestunde im Hause des Künstlers Herbert Müller erfuhren die anwesenden Vereinsmitglieder folgendes über das Leben von Henry Eppler Sörensen:
Er stammte aus Aarhus in Dänemark. Vor seiner Verhaftung arbeitete Henry zusammen mit seinem Bruder und seinem Vater in der elterlichen Buchdruckerei. Sein Bruder Olaf war im Widerstand tätig und druckte nachts heimlich verbotene Zeitungen und Broschüren. Die Agentin Grete Bartram verriet ihn. Doch statt seiner verhafteten die Deutschen eines Junimorgens den Vater Ole und seinen Sohn Henry. Beide kamen zunächst in das dänische Lager Froeslev und von dort aus wurden sie nach Neuengamme gebracht. Von da an verlor sich ihre Spur. Erst lange nach dem Krieg konnte die Familie in dem Buch eines ehemaligen dänischen KZ-Häftlings nachlesen, dass Henry angeblich in Versen, einem der Emslandlager, umgekommen sein soll. In der Familie wurde nie über das Sterben von Vater und Sohn gesprochen. Henry hinterließ seine Frau Marie Sörensen und vier Kinder. Hans wuchs als fünftes Kind seiner Mutter auf. Zwei der vier Geschwister sind bereits verstorben.

Nun fühlt sich Hans Sörensen verpflichtet, auf den Spuren des ersten Mannes seiner Mutter zu wandeln. Er besuchte mit den Vereinsvertretern die Ausstellung im alten Pfarrhaus in Engerhafe und das Mahnmal auf dem Friedhof. Auf den ausgestellten Totenzetteln und auf dem Mahnmal konnte er sich mit eigenen Augen überzeugen, dass Henry hier in Engerhafe gestorben ist und beigesetzt wurde. Auch eine vom damaligen Ortsvorsteher unterschriebene Sterbeurkunde beweist dies. Sein Leichnam konnte bei den Exhumierungen nach dem Krieg aber nicht identifiziert werden.

Auch zu den Resten des ehemaligen Panzerabwehrgrabens wurde Hans Sörensen geführt, um ihm deutlich zu machen, welche Arbeit die KZ-Insassen aus Neuengamme in Aurich unter unsäglichen Bedingungen leisten mussten. Er zeigte sich sehr beeindruckt und hat sich herzlich für alle Informationen bedankt. Für ihn war das Verweilen auf dem Friedhof sehr bewegend, weil es ihn mit der Trauer seiner verstorbenen Mutter verbindet, die zeitlebens nie die Gelegenheit hatte, am Grab ihres Mannes in Engerhafe zu stehen.


Hans Sörensen im Gespräch mit Imke Müller-Hellmann beim Panzergraben im Sandhorster Wald

 

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Verein Gedenkstätte KZ-Engerhafe e.V. - Kirchwyk 5 - 26624 Engerhafe