VEREIN GEDENKSTÄTTE KZ ENGERHAFE E.V.

 

 
  
     Engerhafe und Totenzettel  -  Aquarell und Collage  -  Herbert Müller

Nachruf

Am 31. Jan. ist unser Ehrenmitglied, Herr Donald Earl Bamberg in Den Haag gestorben.

"Don Bamberg", wie er genannt wurde und wie er sich auch selber nannte, wurde am 30. Januar 1920 in New York geboren. In Wien ist er aufgewachsen, hat dort die Schule besucht und mit seiner Schwester und seinen Eltern etwa 10 Jahre gelebt. Nach dem Anschluss Österreichs an Deutschland, 1938, wanderten die jüdischen Eltern Don Bambergs nach Mexiko aus; seine Schwester zog in die Schweiz, er selber in die Niederlande.

Dort wurde er Soldat, brachte es zum Unteroffizier. Nach der Eroberung der Niederlande durch die deutschen Truppen erkannte er unter den deutschen Stahlhelmen dieselben harten Gesichter, die er von den nationalsozialistischen Posten vor den jüdischen Geschäften in Wien in Erinnerung hatte. In seinem Buch: "Dossier NN" schreibt er von einem jüdischen Korporal, in dessen Augen er bei der Kapitulation eine Mischung von Wut, Angst und Hoffnungslosigkeit las. Auf dessen Worte "Dies ist das Ende", habe er gesagt: "Nein, nicht das Ende, dies ist erst der Anfang".

Don Bamberg kehrte ins Zivilleben zurück. Drei Monate später wird er aufgesucht und gebeten, sich der Widerstandsbewegung anzuschließen. Zunächst eher zögerlich, dann aber überzeugt schloss er sich dem Widerstand gegen die Unterdrückung an. Er erhielt die Aufgabe, deutsche Stellungen auszukundschaften. Seine Berichte wurden dann den alliierten Streitkräften übermittelt. Das war überaus gefährlich. Er war ein junger Mann, frisch verlobt und musste nun untertauchen. Nach verhältnismäßig kurzer Zeit wurde er verraten und am 19. August 1941 festgenommen.

Ein deutsches Militärgericht verurteilte ihn am 15. Oktober 1941 "wegen Spionage" zum Tode. Ihm wurde das Recht eingeräumt, ein Gnadengesuch einzureichen. Bewegend und ergreifend schildert Don Bamberg, wie hart ihn das Urteil getroffen hat und wie zermürbend das Warten in der Todeszelle für ihn war. Es bildeten sich Bekanntschaften und Freundschaften. Länger als fünf Monate teilte er seine Zelle mit einem älteren Kommunisten, bevor dieser, den er sehr verehrte, zur Erschießung abgeführt wurde.

Endlich, am 15. November 1942, wird Don Bamberg, "nach Abtrennung auf weiteres Verfahren" aus der Ungewissheit erlöst und ins Polizeiliche Durchgangslager Amersfort verlegt. Von dort aus geht es dann weiter zunächst nach Buchenwald, dann nach Natzweiler, nach Dachau und schließlich, am 24. Oktober 1944 nach Neuengamme und von dort aus nach Engerhafe. Über seine Zeit in Engerhafe hat Don Bamberg mir erzählt. Das Gespräch wurde aufgenommen und wir dürfen den Film im Zusammenhang mit unserer Gedenk-Arbeit zeigen.

Nach der Zeit in Neuengamme war Don Bamberg noch in den KZ-Lagern Gross-Rosen, in Mittelbau-Dora und Ravensbrück. Rückblickend sagt er: "Engerhafe war das Schlimmste". Er hat die Arbeit unseres Vereins mit Interesse begleitet und hat sich sehr darüber gefreut, dass wir ihm die Ehrenmitgliedschaft angeboten haben, mit Dank hat er sie angenommen.

Vor kurzem war ich bei einer von Schülern gestalteten Veranstaltung in der Herrentorschule in Emden zum Tag der Befreiung des Lagers in Auschwitz. Die Schüler hatten vorher unsere Ausstellung besucht und haben einige charakteristische Ausschnitte aus dem Gespräch mit Don Bamberg gezeigt. So ist er in bleibender lebendiger Erinnerung als ein Herr mit einem großen und weiten Herzen, ein nobler Charakter, aufrichtig, bescheiden, offen, tolerant und auf Versöhnung und Verständigung bedacht. Wir haben ihm viel zu verdanken.



Carl Osterwald, Münkeboe, 21. Februar 2013

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