VEREIN GEDENKSTÄTTE KZ ENGERHAFE E.V.

 

 
  
     Das historische Pfarrhaus

Kinderhymne

Anmut sparet nicht noch Mühe
Leidenschaft nicht noch Verstand
Dass ein gutes Deutschland blühe
Wie ein andres gutes Land

Dass die Völker nicht erbleichen
Wie vor einer Räuberin
Sondern ihre Hände reichen
Uns wie andern Völkern hin.

Und nicht über und nicht unter
Andern Völkern woll'n wir sein
Von der See bis zu den Alpen
Von der Oder bis zum Rhein.

Und weil wir dies Land verbessern
Lieben und beschirmen wir's
Und das Liebste mag uns scheinen
So wie andern Völkern ihr's.

Text: Bertold Brecht 1950, Musik: Hanns Eisler





Verfassungslied

In der tödlich kalten Stille nach dem letzten großen Krieg
haben sie uns Recht gegeben ohne Waffen hier zu leben.
In der tödlich großen Armut nach dem letzten großen Krieg
haben sie uns Recht gegeben, dass wir nur von Arbeit leben.

Wir streuen Salz in alle Wunden
und nichts wird von uns vergessen und nichts wird vergessen sein.
Sie haben die Verfassung, ja, sie haben sie erfunden, haben sie erfunden.
Die quält sie sogar noch im Schlaf, da haben sie Sachen gesagt,
davon woll'n sie heut' nichts mehr wissen.

Sprecher: Was? Die wollen nicht? - Chor: Die müssen!

Text u. Musik: Lok Kreuzberg, 3. Strophe: Heinrich Herlyn




Jiddische Lieder (1)

Spiel mir einen Tange vor in Jiddisch,
sei er streng rabbinisch oder chassidisch!
Selbst das Großmütterchen soll ihn verstehen
und im Tanze dazu drehen.

Refrain: Spiel Musikant. Spiel so wie ein jüdisches Herz schlägt! Ich bitt dich: Spiel mir ein Tänzchen mit Seele und Gefühl!

Spiel mir einen Tango von den Flüchtenden.
Spiel von dem Volk der Verstreuten und Zerrissenen.
Alle Kinder, groß und klein, sollen ihn verstehen
und sich im Tanze drehen.

Spiel mir einen Tango, doch bloß nicht arisch,
auf keinen Fall arisch und barbarisch.
Alle Feinde sollen sehn, dass ich immer noch einen Tanz auf's Parkett legen kann, der sich gewaschen hat!

Spiel mir einen Tango vom Frieden.
Das soll ein wirklicher Frieden sein und nicht bloß ein Traum.
Damit wir Hitler in die Wüste schicken können.
Ja, das wird ein wahrer Tanz für euch sein!

Dieses Lied ist wahrscheinlich in einem KZ entstanden als Bearbeitung des jiddischen Liedes "schpil she mir a lidele". Das mittelalterliche Motiv des Totentanzes wird auf die Form des Tangos übertragen. Der Tango-Tanz wird hier zum Ausdruck des Widerstandes und Überlebenswillens eines ganzen Volkes.



Jiddische Lieder
(2)

Wir leben ewig! Es brennt die Welt!
Wir leben ewig, ohne einen Groschen Geld!
Wir leben allen Feinden zum Trotz,
die uns das Leben zur Hölle machen wollen.

Wir leben ewig, wir sind immer noch da!
Wir leben ewig, zu jeder Stunde!
Wir wollen leben und erleben, schlechte Zeiten überleben.
Wir leben ewig, wir sind immer noch da.

Dieses Lied war das Finale der musikalischen Revue "Mojsche halt sich" (Mojsche halt aus), die 1943 im jüdischen Theater im Ghetto von Wilna präsentiert wurde.


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